Samerberg

Unsere Redaktionsfreundin Gina Bronner-Martin – die Macherin von Paddel-news.de – ist als Universaltalent auf Rädern und Brettern bekannt. Mit ihrem Bigbike war sie im Bikepark Samerberg am Start und hat einen Bikeparkcheck geschrieben. Aber lest selbst.

Direkt nach dem Championsleaguespiel des FC Bayern gegen und Madrid sollte es auf die Autobahn Richtung Chiemsee gehen. Bereits dem regulären Ende stand allerdings fest, dass ich den Rest wohl im Radio verfolgen werde müssen, sollte es nicht allzu spät werden mit dem Reisebeginn. Irgendwo auf der fast leeren A8 kurz hinter München verwandelte Schweinsteiger dann die Hoffnung in Triumph für die Münchner. Finale dahoam!

In Samerberg war dank guter Ausschilderung der Hochriesbahn die Richtung schnell ermittelt und auch ein großer Wanderparkplatz unterhalb des Lifts gefunden, der zum Übernachten einlud. Wer ein Parkticket zieht, dürfte dort wohl nicht vertrieben werden, wenn man sich zu benehmen weiß. Verbotsschilder waren jedenfalls nicht zu sehen. Die Nacht verlief stürmisch, weil irgendwer ständig an meinem Bus rüttelte – wer das war, sollte ich morgens erfahren…

Um neun Uhr kroch ich aus dem Schlafsack und spähte aus dem Fenster. Was sich nachts pechschwarz mit wenigen Lichtpunkten gezeigt hatte, präsentierte sich an diesem Morgen als grüne Wellenlandschaft mit Bergen. Oben als Hütchen noch etwas Schnee – geradezu kitschig, dieses Postkartenmotiv. Ich guckte noch ein bisschen, zog mich dann um und fuhr das kurze Stück Richtung Bikepark hoch.

Oben packte ich mein Norco mit Doppelbrücken-Boxxer aus – letzten Winter als Auslaufmodell 2011 gekauft, würde es an diesem Tag den ersten wirklichen Härtetest bestehen müssen – warf mich in meinen Panzer und radelte zur Bikestation, um ein Ticket zu erwerben. Ein bisschen Geplauder musste natürlich auch sein, schließlich war ich das erste Mal hier. Die Schilderungen versprachen jede Menge Spaß: Anlieger, Flow, Northshore, ein paar Tricksereien… Naja, versprechen kann man viel, ich wollte mich dann doch lieber selbst von der Qualität des Bikeparks überzeugen.

Wieder zurück Richtung Lift, wich die Vorfreude dann Enttäuschung. Jetzt wusste ich, wer am Bus gerüttelt hatte! Derjenige darf auch die Einzelsessel der betagten Bahn auf den Seilen hin und her. „Tut mir leid, der Chef hat angeordnet, dass nicht gefahren werden kann. Zu starke Böen“, beschied mir die junge Frau an der Kasse. Ob es absehbar sei, dass sich die Verhältnisse ändern? „Vielleicht mittags“, lautete die vage Auskunft.

Okay, dann also erst ein Kaffee. Aber woher? Die kleine Kneipe an der Talstation hatte ebenso wenig geöffnet wie das Café im Ort. Aber wir BikerInnen sind freundliche Menschen, kontaktfreudig und keinesfalls scheu – und die Flugschule gegenüber hatte Kaffee, wie an den vielen Menschen mit Tassen in den Händen erkennbar war! Und die freuten sich, dass endlich mal einer dieser Verrückten bei ihnen zu Gast war und ihnen das mit dem Freeriden und Downhillen erklärte, sie auf dem Rad probesitzen ließ und mit ihnen den Frust über das tolle Wetter mit leider zu viel Wind teilte.

Immer mehr Biker luden am Parkplatz ihre Fahrzeuge aus und standen ratlos herum; ein Bus mit Jugendlichen und sichtlich genervten Lehrern wollten zwar Wandertag, keinesfalls aber zu Fuß den Berg erklimmen… Der Druck auf den Liftbetreiber stieg. Und tatsächlich beugte er sich dem Mob und ließ die Maschine an. So schlimm war´s definitiv nicht mit dem Wind, sobald die Sessel belastet waren, wackelte nichts mehr. Keine Gefahr also. Ein- und Ausstieg sind für Biker gewöhnungsbedürftig; zwei bis drei Versuche braucht´s schon, um das geduldige und freundliche Liftpersonal nicht mehr zum Eingreifen bringen zu müssen. Die Sattelnase muss in einen Ausschnitt gefädelt, dann flott um´s Rad und den Sessel herumgelaufen und Platz genommen werden. Nicht unhektisch das Ganze. Oben heißt es: vice versa. Bei 75cm Lenkerbreite am 18 Kilo-Boliden bleibt man da schon mal hängen…

An der Mittelstation war Ende der Reise und erste Orientierung angesagt. Ausgeschildert ist der Weg zum Park nicht, aber viele Möglichkeiten, sich zu verirren gibt es ja nicht. Ein offensichtlich neuer Pumptrack war noch in Arbeit, also wurde er links (beziehungsweise rechts) liegen gelassen. Um das Gebäude herum fand ich auch schon den Einstieg in den Track. Vorher die Aussicht nicht vergessen zu genießen! Schnell wurde mir klar, dass dieser Park zwar klein ist, doch richtig viel zu bieten hat. Umgehend stand die Entscheidung an, ob´s etwas Northshore sein solltel oder ein kniffeliger Singletrail (mit meiner Lenkerbreite mit Augenmaß zu befahren!) oder ob die ersten Anlieger gesurft werden wollten. Anfang der Saison war die Strecke natürlich in perfektem Zustand, keine Bremswellen, eine Rinnen, keine kaputtgefahrenen Anlieger.

Die Strecke teilt sich immer wieder auf, alle Elemente können sicher umfahren werden. Blau neben rot und teilweise auch schwarz – sehr gut durchdacht und vorbildlich umgesetzt. Glückwunsch an die Streckenbauer, die an alle Leistungsklassen gedacht haben! Einen kleinen Kritikpunkt fand ich dann aber doch (man findet immer was, wenn man nur lang genug sucht). Ein Drop kurz nach dem Einstieg in den zweiten Streckenabschnitt sollte durch ein Schild angekündigt werden, man sieht ihn schlicht nicht. Ich erlebte mit, wie ein paar Mädels, die das Glück hatten, überhaupt nicht zu reagieren und damit den Drop einfach nur zu überfahren, in arge Bedrängnis kamen. Die (gut geshapte) Landung fiel zwar für die Beiden „sauber“ aus, der Schreck darüber, sich plötzlich einen Meter tiefer wiederzufinden, aber hatte ihnen das Adrenalin gleich literweise ins Blut gepumpt. Der Drop ist übrigens abrollbar, wenn man langsam genug ist.

Weiter geht´s nach dem Motto: Flow, Flow, Flow. Ein paar Wellen hier, ein Double da, ein Table dort. Und Anlieger. Wer´s in Samerberg nicht lernt, das mit dem Anlieger fahren, der lernt´s nie. Große, kleine, enge, weite, steile, flache, schnelle, kurze… Alles dabei. Jede Kurve sitzt, jeder Sprung passt. Auf ein schnelles Element folgt garantiert keines, das einen zur Vollbremsung veranlasst, alles sicher also. – Ach, ich sollte wirklich nicht so viel Lob verteilen!

Unten in der dritten Sektion wartet dann noch eine Spielwiese für Slopestyper, Dirter und alle, die Riesenanlieger und Airtime schätzen. Alles kann, nichts muss. Man kann springen oder rollen, Achterbahn fahren oder sanft Richtung Liftstation surfen. Dieser Streckenteil kurz vor dem Parkplatz lässt sich auch problemlos hochschieben oder -treten. Dennoch aber nicht vergessen, ein Ticket zu kaufen, schließlich muss vor allem dieser Teil aufwendig gepflegt werden. Das Geld ist also gut angelegt. Ein offensichtlich vom Regen ausgewaschenes Loch nach einem großen Sprung hatte ich als für Einsteiger zu kritisch empfunden (nicht jedem schlucken meine 200 Federweg derartige Schläge weg), einen Tag später aber kam via Facebook schon die Meldung, dass daran gearbeitet wurde. Passt.

Was gibt´s sonst zu bemerken? Logisch, das Essen! An der Mittelstation ist der brummig-nette Wirt auf Biker eingestellt, man findet einen Radständer in Greifweite des Fahrers edler Bikes sowie zwei Biertischgarnituren, an denen man auch total verdreckt Platz nehmen darf ohne sich Gedanken über Hinterlassenschaften auf der Sitzfläche machen zu müssen. Und das Essen ist lecker, reichlich und billig. Hab ich was vergessen zu erwähnen? Ach ja: Man kann in Samerberg auch einfach nur Mountainbiken, ganz stressfrei ohne Fullfacehelm und Doppelbrückengabel. Dafür mit Aussicht. Die ist gratis.