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Neues Pferd im Stall – Merida eOneSixty Limited Editon

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, welch Shitstorm mir zuhause entgegen prasselte, als ich mit meinem Plan mir nun doch auch ein eMTB zu holen aufschlug. WAAAAASSSS? Das ist doch nur für alte Leute, das sind doch keine richtigen Mountainbiker, Höhenmeter muss man sich erarbeiten, sch*** Elektroschrott und und und.
Warum? Das waren meine Schimpftiraden der letzten Jahre zu diesem Thema. Und nun – nun steh ich da mit meinem elektrifizierten Fahrrad. Aber der Reihe nach …

Das Auswahlverfahren:

Wie immer – eine Eierlegendewollmilchsau muss her. Ein Bike das alles kann und einem immer ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Nun ja, bei einem eBike ist das Grinsen im Fall eines leeren Akkus kein wirklich realistisches Ziel, aber wer weiß, in ein paar Jahren sind die Bikes vielleicht so leicht und  rollen so gut, dass auch das dann kein Thema mehr sein wird.

Also, bergauf muss die Postion im Bike so sein, dass man sich nicht auf den Lenker legen muss um genug Gewicht auf das Vorderrad zu bekommen. Dementsprechend muss eben z. B. auf den Sitzwinkel geschaut werden. Gleichzeitig sollen die Kettenstreben nicht lang sein, damit das Bike schön wendig bleibt.
Bergab soll es laufruhig sein und satt auf dem Trail liegen, aber natürlich verspielt bleiben und das abziehen auf der Kante ermöglichen. Das Tretlager – und beim ebike sprechen wir hier eher vom Motor – sollte einen tiefen Schwerpunkt haben, aber auch nicht an jeder Steinkante oder Wurzel hängen bleiben.
Vorne könnte es gerne ein 29er Laufrad sein, da die Erfahrung des Scott Spark in der Garage mich gelehrt hat – 29 rollt zumindest am Vorderrad extrem gut und war ein Quantensprung vom 26er in Sachen Abrollverhalten auf dem Trail.
Verglichen mit 27,5er Norco Range das ebenfalls einen Teil des Radkellers belegt, ist die Radgröße am Hinterrad jedoch bei 650b ein guter Kompromiss in Sachen Beschleunigung und Wendigkeit.

Die Beratung:

Wie immer in den letzten Jahren, wenn es gilt Neuland zu betreten, war der Besuch im Bikeshop die einzig richtige Entscheidung. In meinem Fall ist das Freeride Mountain in Schorndorf. Der Vorteil – viele Marken zur Auswahl und eine große Testflotte. Uuuund ein Besitzer und Mitarbeiter/innen die diesen Sport selbst lieben und leben.
Nicht zu unterschätzen ist bei solch einer Anschaffung dann auch noch das Preis-/Leistungsverhältnis. Das ist zwar immer wichtig und interessant, aber hier schwingt man sich nun endgültig in Preishöhen auf, die ich eigentlich nie erklimmen wollte.
In die Auswahl kamen dann schließlich das Kona Remote, Giant Reign oder Trance, Ghost Hybride SLAMR, Lapierre Overvolt oder ein Merida eOneSixty. Ich sags gleich – alle diese Bikes sind absolut top. Und irgendwann lässt sich eine Entscheidung nicht mehr auf Grund von Fahrverhalten und Ausstattung treffen, sondern unterm Strich an der Optik und eben dem schon erwähnten Preis-/Leistungsverhältnisses.

Der Zuschlag:

Tatatata! Es wurde ein Merida eOneSixty in der Limited Edition.
Es ist leicht (hüstel), hat eine Geometrie die bergauf wie bergab alles mitmacht und einen immer hart ans persönliche Limit bringt. Eine durchweg solide Ausstattung ohne echte Schwächen, ein Motocrosslayout was die Reifenwahl betrifft (vorne 29 hinten 27,5), mit dem Shimano Steps 8000 einen erstklassigen Antrieb und sieht dabei auch noch extrem sexy aus.
Und da ich kein Carbonfetischist bin, kann ich mit dem Alurahmen sehr gut leben – wenn mann sich den Preisunterschied anschaut, für mich keine 3 Sekunden des Nachdenkens wert.

Da ich mit meinen 1,77 Länge oft zwischen den Stühlen der Rahmengrößen sitze noch abschließend erwähnt – hier wurde es das L. Der M-Rahmen war mir etwas zu kurz. Auch hier – nichts geht über einen Bikeshop vor Ort, der mit Beratung und zur Verfügungstellung von Testbikes einen das persönliche Wohlfühlsetting finden lässt.

Ich liste hier jetzt nicht jedes Bauteil gesondert auf, wer sich hierzu informieren will, bitte den Link zu Merida nutzen. Parts und Daten zum Bike sind dort hinterlegt.

Einrollen:

Die erste richtige Tour war dann schnell unter die Stollen genommen und es war mir klar, warum ich mich in der Vergangenheit gegen die eBikes so gewehrt habe. Wenn man erstmal draufsitzt und sich an die Eigenheiten des Bikes gewöhnt hat, will man nicht mehr runter. Alleine das Gefühl einen Trail bergauf zu fahren den man jahrelang nur bergab gefahren ist,  ist irgendwie surreal. Aber plötzlich ist so etwas möglich und es macht auch noch Spaß!
Ganz ohne Anstrengung und Schweiß geht das natürlich auch nicht, soll es ja auch gar nicht. Ich hab mich nicht für ein eBike entschieden um mich nicht mehr sportlich herauszufordern oder ne Extrapackung Chips essen zu können. Es erweitert schlicht den Aktionsradius und lässt in kurzer Zeit ein Maximum an Fahrerlebnis zu.

Erster Eindruch speziell meines eOneSixty: Die Gabel, eine RockShox Gold 35 ist nicht schlecht, aber lässt sich hier und da doch an ihre Grenzen bringen. Achtung: Jammern auf hohem Niveau.
Zwei weitere „Kritikpunkte“ und das sind eigentlich keine echten Kritikpunkte, da sehr individuell: die Griffe sind mir im Durchmesser etwas zu dick und der mitgelieferte Sattel hat zwar ein sehr praktisches Gimmik in Form einer integrierten Werkzeugbox mit Minitool, aber leider für meine Hintern nicht optimal passend.

Die Griffe und der Sattel sind dann schnell getauscht und angepasst – schon hat Mann und Frau ein absolutes Traumbike an der Hand.

Erstes Mal Bremse auf:

Aaaalter… zwei Akkuladungen später, Gabel und Dämpfer richtig abgestimmt und dann mit den Kollegen das erste Mal die Grenzen bergab etwas ausgelotet. Es fühlt sich definitiv nicht wie ein schwerfälliger Panzer an. Das war meine Befürchtung im Vorfeld. Nada – das Teil geht bergab extrem gut. Supersatt und trotzdem wendig, trotz der Extrakilos des Antriebs agil und auch problemlos in die Luft zu befördern. Springen ist eine sichere Sache, in der Luft fühlt sich das Bike immer stabil und berechenbar an. Wirklich fantastisch ist die Tatsache,  auf dem Trail jederzeit mit einem kurzen Tritt die Motorkraft nutzen zu können um aus dem Anlieger rauszubeschleunigen und vor der nächsten Kante oder Wurzel den Beschleunigungsmoment zu nutzen, um den Kick zum Abziehen zu bekommen. Ein Traum.

Fazit:

Topbike mit eigentlich nur einer Schwäche – die Gabel und ein bisher nicht auffindbarer Walkmodus – vielleicht bin ich nur zu doof? Könnte aber auch an einer lückenhaften Anleitung liegen? Vielleicht gibt es diesen gar nicht?

Worte sind schön, bewegte Bilder geben aber dann doch oft nochmals einen besseren Eindruck. Ich bin kein Enduro- oder DH-Profi, hoffe aber das Video gibt einen nachvollziehbaren Eindruck über die Bergabqualitäten wieder.
Der Motor/Akku bringt einen schnell und effizient nach oben, die Kletterfähigkeiten sind wirklich beeindruckend und Touren mit 50km Länge und 1000 hm sind bei geschicktem Einsatz der Fahrmodi Eco, Trail und Boost kein Problem. Und das auch als Feierabendrunde.

Tipptopp! Alles richtig gemacht :-).

 


 

 

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